Einbaufehler bei Küchenarbeitsplatten

 

Eine immer wiederkehrende Frage nach dem Neuerwerb einer Küche ist die nach dem erlaubten Versatz zweier aneinanderstoßender, über Eck verlaufender Küchenarbeitsplatten und sich aus diesem Versatz ggf. ergebender Schäden aufgrund eindringender Feuchtigkeit.

 

 

Eine DIN oder andere rechtsverbindliche Vorschrift existiert hierzu nicht, mit Ausnahme der Einbauanweisung des jeweiligen Arbeitsplattenherstellers bzw. den allgemeinen Verarbeitungsrichtlinien der Schichtstoffhersteller.

 

 

 

Unterschied: Beschichtung und Belegung

 

Grundsätzlich unterscheidet man bei dekorativen Spanplatten zwei verschiedene Arten:

 

  • melaminharzbeschichtete (Kunststoffbeschichtete)

 

und

 

  • schichtstoffbelegte Spanplatten (Verbundwerkstoffe).

  

Melaminharzbeschichtete Spanplatten werden bereits bei der Fertigung der Platte beidseitig mit einem hauchdünnem Dekorpapier, das in eine Harzschicht eingebettet ist und eine Dicke von ca. 0,14 mm besitzt, kaschiert. Platten dieses Typs kennt man aus dem Küchen- und Möbelbau als weiß bzw. unifarben beschichtete Platten oder mit Dekoren in Form von Holzreproduktionen. Die Beschichtung erfolgt während des Produktionsprozesses der Platte in einer Endloskaschieranlage. Da sie sehr dünn ist, finden Platten diesen Typs ausschließlich bei Möbelfronten und – Korpussen Verwendung.

 

Völlig anders verhält es sich mit Küchenarbeitsplatten. Dies sind keine melaminharzbeschichtete Platten, sondern sogenannte Verbundelemente, die aus einer Trägerplatte, in der Regel ist dies eine rohe Spanplatte gemäß den Anforderungen der DIN 68761 und 68763, sowie einer aufgeleimten Schichtstoffauflage aus ca. 0,6 – 0,8 mm starkem Hochdrucklaminat (HPL) gemäß den Anforderungen der EN 438 Teil 1 und Teil 2, bestehen. Diese werden gefertigt, indem eine rohe, unbeschichtete Spanplatte auf Maß geschnitten und an einer Längskante mit dem Profil der Arbeitsplattenvorderkante befräst wird und diese Platte dann in einem Spezialpressvorgang mit der ca. 0,8 mm starken HPL – Platte belegt wird.

 

Ein Schichtstoff oder auch Hochdrucklaminat besteht aus einem in Harzfilme eingebetteten, bedruckten Papier. Es wird so gefertigt, dass sich eine Materialdicke von ca. 0,8 mm ergibt. Das so entstandene Produkt heißt Schichtstoffplatte, HPL – Platte oder auch Hochdrucklaminat (HPL = high pressure laminate) und hebt sich von der Melaminharzbeschichtung dadurch ab, dass sie der Trägerplatte eine wesentlich höhere Beanspruchbarkeit verleiht.

Eine melaminharzbeschichteten Spanplatte

Fälschlicherweise wird oft die DIN 68765 zur Beurteilung von Verarbeitungsfehlern herangezogen. Diese gilt aber für Arbeitsplatten nicht, da sie ausschließlich die melaminharzbeschichteten, dekorativen Spanplatten behandelt. Dies ergibt sich deutlich aus Punkt 1 – 3 dieser DIN. Der in dieser Norm erlaubte Bereich der Dickentoleranz einer melaminharzbeschichteten Spanplatte von mehr als 20 mm Dicke beträgt plusminus 0,5 mm. Dass dieser dann fälschlicherweise nicht auf den ggf. vorliegenden Versatz in der Oberfläche zugrunde gelegt werden kann, sollte klar sein.

 

Dies würde bedeuten, dass im Falle des Aneinanderstoßens zweier 40 mm starker Platten eine Platte 39,5 mm stark ausfallen darf, die andere hingegen 40,5 mm. Die so entstehende Differenz der Plattendicke betrüge dann im ungünstigsten Fall eines Plattenstoßes 1,0 mm. Es kann nicht ernsthaft geglaubt werden, dass dieses Maß einen zulässigen Toleranzwert für eine eingebaute Küchenarbeitsplatte darstellen kann. In diesem Fall wäre bei einer 0,8 mm dicken Deckschicht die rohe Spanplatte um 0,2 mm freiliegend.

 

Die Kunst des versierten Handwerkers ist es, mit Toleranzen umzugehen und diese bei seiner Arbeit weitestgehend auszugleichen. So erlaubt zum Beispiel die DIN 18202 Toleranzen im Hochbau für flächenfertige Böden zur Aufnahme von Bodenbeläge, z.B. Fliesen oder Parkett, auf der Länge von einem Meter eine Abweichung von der Ebenheit bis zu 4 mm. Folgte man der falschen Logik, stellte demzufolge ein Höhenversatz von 4 mm zweier aneinanderstoßender Fliesen keinen Mangel dar. Tatsächlich aber verhält es sich so, dass Ebenheitsversätze bei Parkett- oder Laminatlamellen > 2 mm sehr wohl einen Mangel darstellen. Hier kann es nicht sein, dass wassergefährdete Arbeitsplattenstöße einen Versatz aufweisen dürfen, der doppelt so groß ausfällt.

 

Stoß ohne Versatz in der Oberfläche

 

In der Praxis bleibt es keinesfalls dem Zufall überlassen, ob bei der Verbindung zweier einzelnen Platten einer Arbeitsplatte eine planebene Oberfläche erreicht wird. Die Dicke der einzelnen Platten spielt dabei überhaupt keine Rolle.

 

Um eine ebene Oberfläche zu erreichen legt man auf die planeben zu gestaltende Fläche eine stabile Zulage, die den Stoß auf beiden Seiten um ca. 20 cm überdeckt. Auf der Unterseite werden parallel zur Stoßfuge im Abstand von wenigen Zentimetern zwei hochkant gestellte Holzleisten mit Schraubzwingen dergestalt befestigt, dass sie die Arbeitsplatte gegen die obere Zulage pressen. Die vorher mit Dichtstoff und wasserfestem Weißleim bestrichenen Schnittflächen der Platten werden dann mittels Arbeitsplattenverbindern fest zusammengezogen.

 

Auf diese Weise erzielt man Stoßfugen, die keinerlei Unebenheit fühlbar, geschweige denn sichtbar werden lasen, wenn man mit der Fingerkuppe darüber streicht.

 

Verklebung und Verbindung der Stoßfugen

 

Bei der Ausarbeitung des Eckstoßes ist die Verarbeitungsvorschrift des Arbeitsplattenherstellers zu befolgen. Diese sind von Hersteller zu Hersteller leicht unterschiedlich.

 

Während der eine ausschließlich das Abdichten mittels Silikondichtstoff unter Zuhilfenahme von Arbeitsplattenverbindern vorschreibt, verlangen andere das vollflächige Bestreichen der Spanplattenschnittflächen mit wasserfestem D3- oder gar D4 – Leim, wieder andere verlangen die Abdichtung an den Außenflächen der Schnittfuge mit Silikon und den Einsatz eines Weissleimes im Mittelbereich. Der Einsatz der Arbeitsplattenverbinder wird immer gefordert.

 

Wenn diese Verbinder nicht vorhanden sind, wurde die Verarbeitungsvorschrift des Herstellers nicht beachtet. Die Ausführung der Stoßfuge ist allein schon dann mangelhaft.

 

Während ein Leim für eine dauerhafte und extrem belastbare Verbindung zweier Hölzer oder Holzwerkstoffesorgt, beschränkt sich die Aufgabe des Dichtstoffes darauf, das Eindringen von Feuchtigkeit in Fugen zu verhindern. Dichtstoffe sind dauerelastisch und von geringer Festigkeit. Sie finden Verwendung bei der Abdichtung von Fenstern, Badewannen etc.

 

Eine vollflächig auf Unterschränken aufliegende Arbeitsplatte mit einer fachgerechten Verleimung der Plattenstöße kann sich nicht mehr verformen und später einen Versatz bilden, es sei denn, die Verbindung hält nicht.

 

Fehlen die Arbeitsplattenverbinder und / oder der Weißleim und es wird nur mit Silikon verklebt, ist dies durchaus denkbar. So handelt es sich bei dem Dichtstoff um ein dauerhaft elastisches Material. Der Weißleim aber, der der Verbindung die Stabilität verleihen soll, erreicht diese Festigkeit nur, wenn er während des Abbindeprozesses der Leimfuge diese fest zusammengepresst wird. Jeder, der bereits einmal mit Ponalleim ein Stück Holz verleimt hat kennt die Verarbeitungsanweisung, auf der es heißt, dass die zu verleimenden Teile glatt gefügt und fest zusammengepresst werden müssen. Das Fehlen der Arbeitsplattenverbinder bewirkt, dass dieser Anpressdruck nicht gegeben ist, somit ist neben der Abdichtung auch die Verleimung der Kopplungsfugen mangelhaft ausgeführt worden.

 

Wasserfestigkeit der Plattenstöße

 

Einige Küchenverkäufer verlangen vom Kunden bei Spülen, die nahe einer Stoßfuge sitzen, dass die Stoßfugen nach dem Hantieren mit Wasser trocken geputzt und auch nicht kleinste Wassertröpfchen, die man mit dem bloßen Auge oftmals nicht wahrnimmt, auf den Fugennähten verbleiben dürfen, da es sonst zu irreparablen Schäden an der Platte kommen könne.

 

Diese Forderung ist vorsichtig formuliert, praxisfremd. Bereits das einmalige Benutzen der Spüle durch ein Kind könnte hier diesen irreparablen Schaden verursachen, weil ein Kind garantiert nicht die Fuge in der beschriebenen Form trocknet. Ob es einem Erwerber einer teuren Küche zuzumuten ist, nach buchstäblich jeder Benutzung der Spüle mit einem garantiert trockenen Tuch die Fugen zu polieren, wird angezweifelt. Vor allem deswegen, weil es gar nicht notwendig wäre wenn man den Plattenstoß fachgerecht ausgeführt hätte.

 

Wie eingangs erwähnt existiert keine Vorschrift, die die Bündigkeit eines Arbeitsplattenstoßes regelt. Das Befinden, ob eine Unebenheit desselben einen Mangel darstellt oder nicht liegt daher im Ermessensspielraum des Betrachters, der unter Zugrundelegung der Beanspruchung der Fuge diesen Versatz zu bewerten hat. Direkt neben der Spüle stellt dieser meiner Auffassung nach einen erheblichen Mangel dar, da im vorliegenden Fall unstrittig die Tauglichkeit der Spüle zu dem gewöhnlichen Gebrauch bei der im Verkehr üblichen Sorgfalt stark gemindert, wenn nicht aufgehoben, ist.

 

Eine Küchenarbeitsplatte trägt ihren Namen zu recht. Auf ihr soll gearbeitet werden und dem Arbeiten mit Wasser hält sie im Normalfall bei fachgerechter Verarbeitung jahrelang stand. Aus diesem Grunde trägt eine Arbeitsplatte keine zehntelmillimeter starke Melaminharzbeschichtung, sondern eine Deckschicht aus Hochdrucklaminat von ca. 0,8 mm Dicke.

 

Die Aufgabe der HPL – Deckschicht ist, jedwede Feuchtigkeit von der Trägerplatte, die in der Regel aus einer Spanplatte besteht, fernzuhalten. Diese Trägerplatte, die fälschlicherweise oft als „wasserfest“ bezeichnet wird, ist dies tatsächlich nicht. Zwar ist sie mit einem wasserfesten Leim als Bindemittel hergestellt worden, der Holzspan als solcher jedoch ist nach wie vor gegen eindringendes Wasser höchst anfällig. Geringste Feuchtigkeitsaufnahmen lassen die Arbeitsplatte bereits quellen und den umgebenen Leimfilm absprengen.

 

Dieser Prozess ist nicht umkehrbar, dass heißt auch nach ggf. einsetzender Trocknung ist der feucht gewordene Bereich geschädigt.

 

Um so mehr gilt dies für mit Spülmittel entspanntes Wasser im Bereich eines Spülbeckens. Das Fließverhalten dieses Wassers ist gegenüber „normalem“ Wasser deutlich erhöht und es kann, vor allem auf kapillarem Wege, durch kleinste Fugen in den Untergrund dringen.

 

Eine fachgerechte Verklebung der Stoßfuge verhindert diese bei sachgemäßer Nutzung zuverlässig. Allerdings ist hierzu der Schutz der 0,8 mm starken Decklage unabdingbar nötig. Die vielleicht einen Zehntelmillimeter breite Dichtstofffuge ist aufgrund der Hygroskopizität des Holzes und dem damit verbundenen „Arbeiten des Holzes“ starken Belastungen ausgesetzt, von denen auch eine Spanplatte nicht frei ist. Die in den technischen Merkblättern angegebene maximale Bewegungsaufnahme der empfohlenen Dichtstoffe liegen zum Teil nur bei 10%. Das bedeutet, dass eine Bewegung in der Fuge, die größer ist als 10% von einem Zehntel Millimeter, also ein Hundertstel Millimeter, diesen Dichtstoff bereits überlastet.

 

Anders verhält es sich im Bereich der Decklage. Das Ausdehnungsverhalten des Laminates ist gleich null. Wird die Verbindung fest zusammengehalten, liegt hier eine Dichtstofffuge von einem Zehntel Millimeter Breite und 0,8 mm Tiefe vor, die einen Wassereintritt zuverlässig verhindert. Praktiziert wird dies täglich bei Tausenden von Küchen, die ein Spülbecken in der Nähe eines Plattenstoßes haben.

 

Fazit

 

 Es gibt keinerlei rechtsverbindliche Vorschrift in Form einer DIN oder ähnlich, die Aussagen über erlaubte Vorsprünge in der Oberfläche von Eckstößen von Küchenarbeitsplatten macht.

 

Die Stöße sind den Verarbeitungsvorschriften der Arbeitsplattenhersteller zufolge auszuführen. Einen Versatz in der Oberfläche darf es hierbei in der Nähe einer Spüle oder eines Kochfeldes nicht geben, da sonst das Eindringen von Wasser hier nicht zuverlässig verhindert werden kann.

 

Selbst bei fachgerechter Ausführung eines Plattenstoßes stellt dieser jedoch immer eine Schwachstelle hinsichtlich einwirkender Feuchtigkeit dar. Es sollte möglichst vermieden werden, den Eckstoß der Platte / eine Leimfuge in den Wirkungskreis der Spüle zu legen. Lässt sich dies nicht vermeiden, so ist der Küchenplaner geraten seinen Kunden schriftlich und nachweisbar bereits bei der Planung ( m Angebot) darauf hinzuweisen, dass die Fuge mit besonderer Vorsicht zu genießen ist.

  

Ständiger Wasserkontakt und das wiederkehrende Einwirken von Hitze durch z.B. einer Kaffeemaschine / einen Eierkocher / einen Toaster wird selbst sorgfältigst gearbeitete Plattenstoßfuge zum Aufquellen bewegen.