Wellen- und Faltenbildung bei Polstermöbeln

Eine der wohl häufigsten Beanstandungen im Bereich der Polstermöbeln ist die so genannte Wellen bzw. Faltenbildung bei Stoff- und Lederbezügen.

 

Man schlendert durch das Möbelhaus und sieht bei fast allen Ausstellungsgarnituren einen glatten Bezug ohne irgendwelche Erhebungen. Optisch sieht die Polstergarnitur einwandfrei aus und man entscheidet sich für den Kauf. Einige Wochen, eventuell auch erst einige Monate später, je nachdem wie oft man die Stoff- oder Ledergarnitur benutzt hat, kommen die ersten unschönen Wellen zu Tage. Diese Wellen stellen in der Regel eine modelltypische, design-, material- und nutzungsbedingte Erscheinung dar, wie sie bei Sofas gleicher Qualität, Güte und haushaltsüblicher Nutzung aufzufinden sind, die sich aber nur bedingt wieder zurückführen lassen.

 

Begriffsbestimmung nach RAL GZ 430/4 ( RAL = Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. ) :

 

Eine Welle ist eine von der ursprünglichen Polsteroberfläche abweichende Verformung. Eine Falte ist eine Welle mit Knick.

 

 

Wellenmessgerät
Wellenmessgerät

 

 

 

 

Nach den Kriterien der Sachverständigen darf bei einer Sitzbreite von 70 cm eine Falten-/Wellenhöhe von 2 cm nicht überschritten werden, welches mit einem Falten- /Wellenmessgerät gemessen werden kann.

 

 

Sie können auch selbst ohne das Falten-/Wellenmessgerät die Höhe der Welle bestimmen. Dazu müssen Sie die Bezüge mit der flachen Hand soweit wie möglich glatt streichen.

 

Im Anschluss danach nehmen Sie in der glattgestrichenen Sitzfläche Platz. Anschließend wird der Bezug der Sitzeinheit ( in unserem Beispiel 70 cm Sitzbreite ) zur Mitte zu einer Welle zusammengestrichen und kann jetzt z.B. mit einem Lineal gemessen werden. Liegt die Welle unter 2 cm liegt in der Regel kein Fehler vor.

 

Die Wellenbildung dient insbesondere der Elastizität des Leders zu wahren und ein Einreißen zu verhindern oder bei Belastung einen Dehnungsausgleich liefern zu können; dadurch wird eine längerfristige Lebensdauer einer legeren Garnitur gewährt. Speziell Lederhaut hat aufgrund seines natürlichen Ursprungs und seiner dreidimensionalen Faserstruktur an unterschiedlichen Stellen auch unterschiedliche Dehnungsfähigkeiten.

 

Zur Erläuterung : Wird das Polster belastet, entsteht eine Mulde. Diese Vertiefung im Polster muss vom Bezug ausgeglichen werden. Würde der Bezug fest über die Polsterung gespannt, bestünde die Gefahr, dass dadurch der Bezug oder die Nähte ausreißen. In diesen Fällen spricht man von einer konstruktiv notwendigen Falten- /Wellenbildung.  Zum anderen kommt noch eine weitere Art von Falten- /Wellenbildung zum Tragen, nämlich die modellbedingte Falten- /Wellenbildung.

 

Der Bezug wird bewusst großzügig zugeschnitten, um dem Modell dadurch eine besondere Note zu verleihen und den saloppen Charakter zusätzlich zu unterstreichen, so handelt es sich auch um eine designtechnische und gestalterische gewollte Erscheinung. In den meisten Modellbeschreibungen bei Polstergarnituren werden Sie den Begriff leger wieder finden, der selbst im Duden als ungezwungen und nachlässig beschrieben wird.

 

Eine legere Polsterung zeichnet sich durch eine weiche und softige Oberfläche aus. Es können aber je nach dem Verfahren bzw. der Verarbeitung des Füllmaterials zu gewissen Höhenverlusten kommen, die sich dann wieder in einer Sitzmulde widerspiegeln. Nach der RAL – GZ 430/4 ist dies design- und konstruktionstechnisch gewollt.

 

Tipp: Sollte die Sitzmulde als störend empfunden werden, könnte man unter gewissen Umständen etwas nachpolstern. Fragen Sie bei Ihrem Möbelhändler nach, ob diese Möglichkeit eventuell besteht. Aber bedenken Sie, dass dieses Nachpolstern nur in einem bestimmten Grad möglich ist. Auch durch das regelmäßige Aufklopfen und/oder Aufschütteln der Sitz- und Rückenpolster lassen sich die Sitzmulden verringern bzw. verzögern.

 

 

Nicht nur das Bezugsmaterial Leder ändert sich, sondern auch die Sitzpolsterungen. Durch die regelmäßige Belastung beim Sitzen, ändert sich auch das Polstervlies (Diolenwatte) und das Grobpolster (Polyätherschaum). Durch die Nutzung der Polstergarnitur wird das Fein- und Grobpolster durchgewalkt, sodass die Unterfederung in sich weicher wird.

 

Im Fachjargon spricht man vom sogenannten „Einsitzen“ der einzelnen Sitzbereiche, die in Abhängigkeit zur Intensität der Benutzung und der Bezugsfläche steht. Hierdurch wird sich das "Einsitzen" durch einen leichten Volumenverlust der Polsterwatte und des Schaumes, sowie der Dehnung des Bezugsmaterials noch stärker ausprägen. Bei der heute im Polstermöbelbereich überwiegend verarbeiteten, legeren Polsterung, erfolgt die Herstellung und der Polsteraufbau mit Sicht auf einen angenehm - gemütlichen, sich den Körperformen des Nutzers anpassenden Sitzkomfort.

  

Selbst Johann von Goethe sagte schon: „Das einfach schöne soll der Kenner schätzen“. Denn die legere Polsterung wird mit neu entwickelten und ausgeprägten Materialien gefertigt. Die Zusammenstellung mit Polyschaumstäbchen und weichen anpassungsfähigen Schaumstoffen erlaubt eine fortgeschrittene Polstertechnik, die im Gegensatz zu einer altmodischen, sterilen und straffen Polsterverarbeitung steht. Auch die Gebrauchstauglichkeit einer legeren Verarbeitung wird dauerhaft durch eine hochwertige und aufwendige Polsterverarbeitung garantiert. Eben deshalb schätzen Kenner diese sitzfreundliche Polstertechnik, die im Gebrauch immer mehr an Bequemlichkeit gewinnt.

 

Wir verweisen auf die Gerichtsurteile vom LG Bremen Aktenzeichen: 8020333/92 und OLG Köln Aktenzeichen: 13V72/01, die darüber Auskunft geben, dass eine Falten- /Wellenbildung kein Grund der Beanstandung darstellt. Das subjektive Empfinden des Kunden - das die Wellen unschön aussehen rechtfertigt nicht einen Mangel im Rechtssinne.  Dies gilt für die Sitzflächen, als auch für die Rückenpartien einer Polstergarnitur.

 

 

Erläuterung : Warentypische Eigenschaft

 

Bei industriell hergestellten Möbeln ist eine „warentypische Eigenschaft,“ eine Eigenschaft deren Inhalt und Umfang sich konzipiert aus:

 

  • Der Materialzusammensetzung
  • Der Warenkonstruktion
  • Der Herstellungstechnik
  • Den Herstellungskosten

 

 

Erklärung legere Polsterung in Anlehnung an die DIN 68 871 : 

 

Weicher und legerer Polsteraufbau, bei der eine modellbedingte oder gestalterisch bedingte Faltenbildung der Bezüge warentypisch ist

 

Das eine Polstergarnitur, jedenfalls dann wenn sie zu ihrem eigentlichen Zweck genutzt werden soll, nämlich dem darauf sitzen und nicht zur Repräsentation, nicht immer in ihrem Ursprungszustand verbleiben kann, ist doch verständlich !

 

Durch den weichen und legeren Polsteraufbau wirkt das Polstermöbel "knautschig" und ist es auch, das heißt Sitz und Rücken passen sich individuell der "Einmodellierung" durch den Körper an, das Polstermöbel formt sich nach Ihrer Anatomie.

 

Tipp : Meistens treten diese Wellen bei dem Lieblingssitzplatz zu erst auf, da dieser am häufigsten benutzt wird. Um aber das harmonische Gesamtbild zu behalten empfiehlt es sich, die Sitzplätze möglichst gleichmäßig zu benutzen, damit sich die Optik den Sitzgewohnheiten anpassen kann. 

 

In diesem Zusammenhang hören wir immer wieder :

 

"Leger" ? Das hat mir der Verkäufer aber nicht gesagt. Ist der Verkäufer hier Aufklärungspflichtig ?

 

Folgende Fragen könnten im Beweisverfahren protokolliert werden und der Gutachter müsste auf die gestellten Fragen schriftlich Stellung nehmen :

 

  • Ist eine „Legere Polsterung“ nach der DIN-Norm 68871 eine weiche Polsterung, bei der eine modell- und designbedingte oder gestalterische Wellenbildung der Bezüge warentypisch ist ?

 

  •  Entspricht die Polstergarnitur den Vorgaben der Deutschen Möbelgütesicherung RAL-GZ-430 und/oder der DIN-Norm 68871 ?

 

  •  Entspricht die Polstergarnitur den Vorgaben des Polsteratlas ?

 

  •  Ist die Wellenbildung eine warentypische Erscheinung ?

 

 

  •  Wird das Leder durch die Nutzung, insbesondere durch Körperwärme und –feuchtigkeit natürlich gedehnt und unterstützt somit eine Wellenbildung im Gebrauch ?

 

  •  Entsteht die Wellenbildung durch den Gebrauch, also das Einsitzen ?

 

  •  Wie hoch darf eine zulässige Wellenhöhe nach den Kriterien der Verkehrskreise bei einer Sitzbreite von 70 Zentimetern sein ?

 

  •  Wenn die Wellenbildung nicht der DIN-Norm 68871 entsprechen sollte, wäre dieser Mangel durch Nachbesserungsmaßnahmen zu beseitigen ?

 

  •  Wenn aus fachmännischer Sicht dieser Mangel durch Nachbesserungsmaßnahmen zu beseitigen sein sollte, welche Nachbesserungsmaßnahmen wären dies und was würden sie kosten ?

 

  •  Wenn die Wellenbildung nicht der DIN-Norm 68871 entsprechen sollte, wäre dies aus fachmännischer Sicht ein wesentlicher oder ein unwesentlicher Mangel ?

 

  •  Wenn aus fachmännischer Sicht ein unwesentlicher Mangel gegeben sein sollte, welcher Minderungsbetrag wäre angemessen ?

 

  •  Ist der Gesamteindruck, entsprechend der RAL-GZ- 430 aus ca. 2,5 - 3 Meter gestört?

 

 

 

Das so ein Gutachten schnell im 4-stelligen Euro Betrag liegt kann man sich sicherlich bei der oben genannten Fragestellung denken.

 

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