Gutachter -Rechnung

Der häufigste Streitpunkt im Möbelhandel, die zu einem Gerichtsprozess mit Gutachterbeurteilung führt, sind Polstermöbel und ganz speziell die Reklamationen mit Wellen- und Faltenbildung.

 

Um Ihnen einen kleinen Einblick zu verschaffen, wie sich die Kosten für ein Gutachten beziffern, haben wir nachstehende Aufstellung zu Grunde gelegt. Da es sich bei einer Polstergarnitur um ein Element handelt, welches sich teilweise nur mit 2 Leuten bewegen lässt, ist ein Helfer möglicherweise nötig.

 

 

Aktenstudium, vorbereitende Tätigkeiten und Schriftverkehr: 1 Std. 30 Min.
Vier Anschreiben und div. Telefonate an das Gericht und Anwälte: 2 Std. 00 Min.
Ortstermin, einschl. An-und Abfahrten:  4 Std. 30 Min.

Erstellung des Gutachtens, einschl. aller notwendigen

Recherchen und Diktat: 

 7 Std. 30 Min.
   
Gesamtstunden: 15 Std. 30 Min. a 78,00 Euro =  1.209,00 Euro
   

Zusätzlich der Einsatz von Aufwendungen
 
   
PKW Km 260 Kilometer a 0,30 Euro =   78,00 Euro
Helferstunden 5 Std. 30 Min. 5,5 Std. a 35,50 Euro=  195,25 Euro
Fotos 13 Stk. a 2,00 Euro=   26,00 Euro
Schreibkosten: 13568 Anschläge=     11,70 Euro
Fotokopien 58 Stk. a 0,50 Euro=   29,00 Euro
Telefon, Fax, Porto und Versand=     15,50 Euro
   

                                                                                                    Zwischensumme:

                                                                                                    MwSt.:

1.564,45 Euro

    297,25 Euro

   
                                                                                                    Gesamtsumme 1.861,70 Euro

 

 

Die Feststundensätze des JVEG sind lediglich für Handwerksmeister ausgelegt und berücksichtigen nicht, dass bei industriell gefertigten Möbeln auch Ingenieure zum Einsatz kommen. In diesem Fall kann ein Gutachten noch teurer werden, weil dann gemäß § 13 JVEG mit einem Stundensatz von 95 Euro (Stand 2018) abgerechnet werden darf.

 

Ein Sachverständiger von der Handwerkskammer oder von der Industrie und Handelskammer?

 

Sollte es zu einem Streit kommen, benötigt z.B. das Amtsgericht bzw. der Richter das nötige Fachwissen um die Beanstandung einzuschätzen.

 

Gem. § 404 Abs. 2 ZPO sollen für gewisse Arten von Gutachten Sachverständige gewählt werden, die öffentlich bestellt sind und und andere Personen nur dann, wenn besondere Umstände es erfordern.

 

Im Möbelbereich unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Sachverständigen.

 

  • Einen Sachverständiger von der Handwerkskammer für handgefertigte Möbel

 

oder

 

  • einen Sachverständiger von der Industrie und Handelskammer für industriell gefertigte Möbel

 

Die Benennung eines Sachverständigen durch die Handwerkskammer wäre dann § 404 Abs. 2 ZPO entsprechend, wenn es sich bei den verkauften Möbeln um handwerklich gefertigte Möbel handeln würde zum Beispiel bei einem Kauf von Möbeln bei einer Schreine- oder Tischlerei. Handelt es sich um einen Kauf von Möbeln in einem Möbelhaus, also industriell gefertigter Möbel, sind öffentlich bestellte Sachverständige der Industrie- und Handelskammer zuständig, da den Sachverständigen der Handwerkskammer die notwendigen Kenntnisse von der industriellen Fertigung und den dortigen Anforderungen fehlen.

 

Im Gegenzug ist es genau anderes, dass den Sachverständigen der Industrie- und Handelskammer, die nötigen Kenntnisse und Anforderungen der handgefertigten Möbel fehlen.

 

Sachverständige der Handwerkskammer, die handwerklich hergestellte Möbel begutachten, setzen in der Regel auch höhere Toleranzwerte an als diese von industriell gefertigten Möbeln erwartet und angesetzt werden können.

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