Wellenbildung Teil 2

Aber auch an einer weniger benutzten Stelle, wie z.B. das Seitenteil kann eine Wellenbildung auftreten. Denn das Naturprodukt Leder, hat aufgrund seines Faseraufbaus an unterschiedlichen Stellen auch unterschiedliche Dehnfähigkeiten.

 

Deshalb wird in der Polstertechnik für die stark strapazierten Flächen (Sitz- und Rückenbereiche) immer das festeste Leder (Rücken der Lederhaut)  und für die nicht strapazierten Flächen werden die Seitenbereiche (Flacken und Bauchbereich) der Lederhaut genommen, die dann, für die seitlichen Spannteile der Armlehnen und des Rückens verarbeitet werden.

Bei einer gewölbten Armlehne kommt die Wellenbildung und die dadurch erforderliche Polstertechnik, sowie der gewünschte Polsterkomfort stärker zum Ausdruck.  Durch die verwendete Fertigungstechnik ist eine gewisse Wellenbildung als modellbedingt und konstruktiv anzusehen.

 

Die in dem Bild dargestellte Wellenbildung stellt somit keinen Sachmangel dar. Sicherlich könnte das Nachspannen des Bezuges die Wellenbildung minimieren, aber die Maßnahme wäre nur von kurzer Dauer, da die nutzungsbedingte Veränderung sich wieder einstellen würde.

Sind diese Eindellungen vorn am Sofa normal?

 

In der Ausstellung waren diese nicht zu erkennen!

 

Diese leichten Eindellungen beruhen auf einem Schaumstoffpolster das oben auf die Polsterung aufgebracht wird. Diese leichten Stufungen sind allerdings warentypisch und im Bereich der üblichen Toleranz.

 

Die Eindellungen vorn am Polster entsteht durch das erste Nutzen der Couchgarnitur. Zunächst ist die Polsterung straff. Durch das erste Einsitzen formt sich eine leichte Dellung. Die stärke der Abstufungen bzw. Eindellungen richtet sich im übrigen an der Beschaffenheit des Leders.

 

Je nachdem ob dieses vom Rücken eines Tieres oder vom Bauch genommen wird und deswegen eine unterschiedliche Stärke aufweist. Es kann allerdings sein, je mehr sich die Schaumstoffplatte abnutzt und platter wird, dass sich die Abstufungen zurückbilden.

 

 

Der rechte Rückenbezug ist zu locker bzw. zu groß geschnitten worden, sodass er nicht nur unschön aussieht, sondern auch aus fachlicher Sicht, sich nicht mehr hinter dem Begriff „leger“ verstecken kann.

 

Sicherlich ist hier die Möglichkeit gegeben mit „Heißluft“ das Leder zu bearbeiten. Dies würde aber in diesem Fall nicht zum nötigen Erfolg führen, da der Bezug wie eine Art „Husse“ (Überwurf) übergestülpt ist.

 

Um die Beanstandung zu beheben, müsste der rechte Rückenbezug nochmals nach Maß gefertigt werden. Um Farbabweichungen zu vermeiden, wäre es ratsam den alten Rückenbezug als Farbmuster für die Fertigung beizulegen.


Die leichten Wellen sind bei diesem Modell der sogenannten Kammertechnik geschuldet. Die Kammertechnik wird bei hochwertigen Polstergarnituren angewendet und besteht zum Beispiel aus einem Polyurethanschaum, der schichtweise aufgebaut wird in verschiedenen Höhen und Härten, mit einer Komfortschicht im Sitz bestehend aus gekammerten Matten mit einer Stäbchen-/Faser-Füllung.

 

Die gekammerte Matte wird über den Sitz bis vorne zur Sitzvorderkante verarbeitet. Die aufwendige Kammertechnik verhindert die „Wanderung“ der Füllungen. Die Polsteroberfläche ist der betont weichen, legeren Füllung angepasst.

 

Generell ist zu bedenken, dass eine Polstergarnitur nicht ausschließlich maschinell gefertigt wird. Hier ist auch ein hoher Anteil an Handarbeit zu berücksichtigen. Somit gleicht keine Garnitur 100 % der anderen. Jede Näherin, jeder Polsterer und alle Kräfte die an der Herstellung einer solchen Polstergarnitur beteiligt sind, haben eine unterschiedliche Handschrift und entspricht in Folge dessen kein computergesteuertes Präzisionsstück. Vergleichsmaßstäbe, wie z.B. in der Automobilindustrie können hier nicht angewendet werden.

Weitere informationen zu der Falten/Wellenbildung finden Sie in folgender Fachliteratur:

 

  • Polsteratlas
  • RAL-GZ-430 / Güte und Prüfbestimmungen der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel e.V.
  • Stiftung Warentest / Möbel Kaufen - Qualität erkennen.

 

 

Die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel e.V. schreibt hierzu noch folgendes:

 

Eine "besonders legere Polsterung" zeichnet sich durch eine superweiche / softige Oberfläche aus. Die Bezüge zeigen im Neuzustand ein ausgeprägtes Wellenbild das design- und konstruktionsbedingt gewollt ist (z. B. bei Polsterungen mit losem Füllmaterial).

Wellen im Rückenbereich:

 

Viele Stühle verfügen aus ergonomischen Gründen über einen gebogenen Rücken. Da in diesem Fall die Bezugshülle lose gepolstert und der Rücken damit auch im Bereich der Innenwölbung nicht verklebt wird, ist eine gewisse Wellenbildung im Bereich des Rückens nie ganz zu vermeiden.

 

Ein komplett „glatter“ Rücken ist bei diesem Modell nicht möglich. Durch Körperwärme, Feuchtigkeit und mechanische Beanspruchung bekommt jeder Bezug im Laufe der Zeit Wellen und Mulden, egal welches Bezugsmaterial (Stoff oder Leder).

 

 

 

 

 

Es handelt sich bei der Beanstandung somit um modelltypische bzw. materialtypische Eigenschaften und stellt keinen Grund zur Beanstandung dar. Diese hat auf Gebrauch, Funktion und Lebensdauer keinen Einfluss.

Wellen/Falten im seitlichen Sitzbereich:

 

Hier muss der Bezug produktionsbedingt an den Polsterecken in Falten gelegt werden. Je nach Elastizität und Dicke (wie in diesem Fall Leder) des Bezugsmaterials erscheinen größere oder kleinere Falten, diese stellen jedoch keinen Qualitätsmangel dar und haben auch hier auf Gebrauch und Lebensdauer keinen Einfluss.

 

 

 

 

 

 

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