Welche Veränderungen bei Bezügen an Polstermöbeln können entstehen ?

Sitzspiegel / Gebrauchslüster / Changieren

Die hellen Stellen sind sogenannte Sitzspiegel
Die hellen Stellen sind sogenannte Sitzspiegel

Durch Einwirkung von Druck, Wärme und Feuchte entstandene Florlagenveränderung bei Polgeweben, s.g. Schattierungen (hell/dunkel), die optisch den Eindruck von Farbunterschieden erwecken lassen können, werden unter die Begriffe Sitzspiegel, Gebrauchslüster und Changieren geführt. Diese Florlagenveränderungen verursachen - je nach Einwirkungen des Lichts - besonders bei Velouren und Mikrofasern, die Impressionen von Flecken. 

 

Bei Velours können Gebrauchslüster ( helle „Schimmer-Stellen“ ) entstehen. Diese beruhen darauf, dass im Gebrauch bei längerem Sitzen der Flor (aufrechtstehende Fasern) des Bezugsstoffes, durch den Einfluss von Körperdruck, Körperwärme und Körperfeuchtigkeit seine Lage verändert. Dieses Bezugsmaterial hat im Gebrauch die materialbedingte und warentypische Eigenschaft, sich optisch, durch geringe Florverluste, sowie die durch die Benutzung entstehenden Sitzspiegel (Gebrauchslüster), leicht zu verändern und gehören somit zum normalen Warenbild.

 

Auch Reflektionen des Lichts, können den Eindruck des Sitzspiegels verstärken. Bei Polgeweben oder bei Bezugsmaterialien mit einer aufgerauten bzw. Velours ähnlichen Oberflächenstruktur, ergibt sich durch unterschiedlichen Lichteinfall und Lage der Stoffoberfläche ein Schattierungseffekt, sogenanntes „Changieren“. Auch hier verändern sich durch die Benutzung die aufrechtstehenden Fasern.

Ist die Pillingbildung eine berechtigte Reklamation? Wir klären auf!


 

 

Folgenden Beschwerdebrief erhalten Möbelhändler sehr oft. Es geht um die sogenannte Pillingbildung:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

wir erhielten von Ihnen die von uns bestellte Wohnlandschaft. Zunächst waren wir sehr zufrieden damit, allerdings mussten wir schnell Mängel am Stoff feststellen. Es bilden sich kleine Stoff Knäuel und auch generell sieht der Stoff schon “verbraucht“ aus. Nach nur einem halben Jahr darf so etwas nicht passieren. Mit dieser schlechten Qualität sind wir absolut nicht einverstanden.

 

Gerne können sie sich ein eigenes Bild davon machen um entscheiden zu können, wie dieser Mangel behoben werden kann.

 

Tipp von moebelschlau. Grundsätzlich sollten an einer schriftlichen Beanstandung auch mehrere Fotos als Anhang mitgeschickt werden, um eine bessere und schnellere Bearbeitung des Möbelhändlers zu ermöglichen.

 


Pilling oder auch Pill – Bildung ( Kleine kugelförmige Stoffpartikel )

 

Besonders Flach- und Mischgewebe ( Als Flachgewebe bezeichnet man Gewebe, bei dem sich zwei Fadengruppen rechtwinklig überkreuzen ) können unter Umständen in Gebrauch oder oberflächlich aufrauen, und es können sich kleine Knötchen bilden. In der Fachsprache nennt man diese Knötchen „Pills“. Sie bestehen aus Fasern, die sich in Folge des Gebrauchs aus dem Möbelstoff herausarbeiten und in kleine Kügelchen verknollen.

 

Pills bestehen überwiegend aus der Faser des Möbelstoffes, was als Eigenpills bezeichnet wird. Für Pills, die überwiegend aus Fremdfasern bestehen, z.B. der Kleidung des Benutzers, wird der Begriff „Fremdpills“ benutzt. Diese Pills entstehen häufig schon nach kurzem Gebrauch. Pillingbildung ist eine Erscheinung die an vielen Textilien auftaucht und nicht nur an Möbelbezugsstoffen.

 

Einige Stoffe neigen im neuen Zustand und andere erst nach längerem Gebrauch zur Pillbildung. In der Regel neigen dunkle / farbige Bettlaken mit einem hohen Baumwollanteil und Biberbettwäsche zum erhöhten Verlust von Fasern, welche sich dann als sogenannte „Pills“ absetzen.

Sie ist nicht ungewöhnlich und auch nicht vorhersehbar. Die Haltbarkeit des Bezugsstoffes wird hierdurch nicht beeinträchtigt, da die Pills lediglich aus losen Fasern gebildet werden. Die Pillingneigung eines Stoffes wird nach der DIN EN ISO 12945-2 getestet.

 

Desto mehr Naturfaseranteil ein Bezugsstoff hat, je mehr neigt er zum Pilling. In Standard Pilling Tests, wird die Tendenz zur Bildung von Pills in einer Skala zwischen 1 bis 5 gemessen und bewertet, wobei 5 die maximale Resistenz, sprich keine Pillingbildung ist.

 

Tipp : Eine leichte Pillbildung ist kein Grund zur Sorge, denn mit einem handelsüblichen Textil-Fusselbürste / Fusselrasierer, einer Art Rasierapparat, können Sie diese problemlos - ohne den Stoff zu verletzen - entfernen.

 


Phänomen : Aufladen von Bezügen


 

Möbelstoffe und andere überwiegend synthetische Materialien besitzen eine natürliche Leitfähigkeit. Das Wohnraumklima und die statische Aufladung von Bezügen stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang. Bei der statischen Aufladung von Bezügen handelt es sich um eine Erscheinung, die wir im Alltag häufig erleben und spüren können.

 

Alle Materialien unserer Umgebung enthalten positive und negative Ladungsträger, die sich gegenseitig neutralisieren, so lange sie abfließen können. Dieser Normalzustand liegt in der Regel bei einer Luftfeuchtigkeit von höher als 45% vor. Liegt die Luftfeuchtigkeit unter 45%, leben wir in einem Umfeld zu trockener Luft.

 

Zu trockene Luft und geringe Luftfeuchtigkeit treten besonders in der Heizperiode, an trockenen Wintertagen in der Wohnung oder klimatischen Räumen auf und führen zu einer Verminderung der relativen Luftfeuchtigkeit auf Werte um 30-40%.

 

Dies ist eine Folgeerscheinung modern beheizter Wohnräume in Verbindung mit "dichten" Fenstern. Innerhalb eines solchen Wohnraumklimas ist eine normale elektrostatische Entladung nicht mehr möglich und es kommt zur so genannten statischen Aufladung durch Reibung an Bekleidungstextilien. Die Leitfähigkeit vieler Textilien aus Wolle, Angora und Naturseide oder einiger Chemiefasern wird herabgesetzt.

 

Das trockene Raumklima

Bei einem derartigen Raumklima lädt sich der menschliche Körper bei jeder Reibung im Gehen, Sitzen oder bei jeder anderen Bewegung elektrostatisch auf. Schuhsohlen aus Gummi oder Kunststoff tragen auch zur Aufladung bei, ebenso moderne Bodenbeläge mit Kunststoffbeschichtungen oder Teppichböden mit Kunststoffanteil. Die Aufladung kann nur dann abfließen, wenn eine Brücke zwischen positivem und negativem Spannungsfeld besteht.

 

Das trockene Raumklima unterbricht die Leitfähigkeit des Materials. Deshalb kann die Spannung nicht abfließen, dies erfolgt erst wieder durch die plötzliche „Erdung“, meistens in Form einer „schlagartigen Entladung“ unter Spannung aus dem Körper. Diese Schläge sind unangenehm, aber ungefährlich. Auch die elektrische Leistung ist hierbei sehr gering.

 

Tipp : Um elektrostatische Aufladung zu vermeiden, sollte für eine entsprechende Luftfeuchtigkeit im Raum durch Topfpflanzen und häufiges Lüften gesorgt werden. Auch ein Antistatikspray oder ein Raumluftbefeuchter kann vorübergehend für Abhilfe schaffen.

 

Können sich Bezugsmaterialien und dem Einfluss von UV – Einstrahlungen oder anderen Lichtquellen verändern?

 

Bedauerlicherweise ja! Alle Bezugsmaterialien verändern sich unter einer permanenten UV – Einstrahlung. Je stärker und häufiger der Lichteinfall auf die Polstergarnitur einwirkt (insbesondere direkte Sonneneinstrahlung), desto schneller können sich Bezugsmaterialien unterschiedlich verändern und schon nach wenigen Wochen können die Substanzen ausbleichen und materialabhängig heller oder dunkler werden. Auch Teppiche in Fensterbereichen, Gardinen Tapeten oder Holzflächen können sich durch intensiven Lichteinfall verändern.

 

Auch die Stiftung Warentest / Ratgeber Möbelkauf, schreibt in Bezug auf Veränderung von Bezugsmaterialien folgendes:

 

Zitat: „Sonnenlicht und sogar Licht von Halogenstrahlern bleichen die Farbe von Möbelstoffen aus. Eine absolute Lichtechtheit gibt es nicht; die Sonne verändert im Lauf der Zeit alle Farbpigmente“.

 

Als Lichtechtheit bezeichnet man die Resistenz eines Stoffes gegenüber der Einwirkung von Licht (Insbesondere Sonnenschein, Tageslicht, Halogenbeleuchtung). Höhere Lichtechtheiten bei Stoffen bedeuten nicht gleichzeitig, dass farbliche Veränderungen (Ausbleichen) ausgeschlossen sind. Ein verblassen des Materials, gerade unter Einfluss von Sonnenlicht, ist bei Möbelstoffen nicht zu verhindern, denn die Urgewalt der Sonne verändert alle Materialien.

Stellt diese Erscheinung einen berechtigten Mangel dar?

Wie bereits oben dargelegt ist ein Ausbleichen der Bezugsmaterialien unter Lichteinfall nicht zu vermeiden und stellt somit eine warentypische Eigenschaft dar. Beachten Sie deshalb gerade in der Ausstellung eines Möbelhauses auf die Musterstücke. Diese weisen auf jedem Kollenktionsrücken der Stoff- und Lederlaschen auf Farbveränderungen durch einen Lichteinfall hin. Des Weiteren wird auch in Produkt- und Gütepässe auf diese Begebenheit hingewiesen. Hier handelt es sich somit nicht um eine Erscheinung, die auf die Qualität oder die Verarbeitung zurückzuführen ist.

Welche Möglichkeiten gibt es dieser Veränderung des Bezugsmaterials vorzubeugen?

Stoff- und Ledergarnituren könnten in Form von Vorhängen und/oder Jalousienen vor direkter UV – Einstrahlung geschützt werden. Gerade in hellen Südzimmern mit Glasfronten sollten gewisse Vorsichtmaßnahmen beachtet werden.

 

Meistens finden sich die verblichenen Stellen in einem bestimmten Lichtkegel wieder. Auch das ist ein Indiz zu starken UV – Einstrahlung.

 

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